Das man ältere Dächer auch beschichten kann, anstatt sie neu zu decken, ist nun wirklich keine neue Nachricht, das Prinzip der Dachbeschichtung ist mittlerweile auch fast 40 Jahre alt. Neu daran ist auch nicht, dass ein älteres abgewittertes, älteres Steildach gereinigt und mit einer witterungs- und hagelbeständigen Spezialfarbe versehen wird, ziemlich neu ist, dass Dachbeschichtungen gerade in den letzten drei Jahren so etwas wie einen Boom erleben.
Woran liegt das? Schuld daran sind ist im Grunde genommen zwei Faktoren: Zum einen sind Dachwerkstoffe mit teilweise über 100 Jahren extrem langlebig, zum anderen werden immer mehr Solar- und Photovoltaikanlagen auf alte, aber noch völlig intakte Dächer montiert. Nicht nur viele Modulhersteller und deren Vertriebs- und Montagepartner sehen in einer Dachbeschichtung große Vorteile, sondern auch die Besitzer von ein- und Zweifamilienhäusern wollen ein „ordentliches“ Dach und gutes Aussehen gehört heutzutage nun einmal dazu. Die Fassade ist frisch gestrichen, der Vorgarten gepflegt, das Auto gewaschen, die neue Anlage auf dem Dach und da passt ein altes, mit Moos und Flechten verunstaltetes Dach natürlich nicht ins in die Vorstellungswelt.
Bietet das Verfahren irgendwelche technischen Vorteile?
Wenn man eine Dachbeschichtung direkt mit einer neuen Dacheindeckung vergleicht, eigentlich nicht. Allerdings hinkt der Vergleich auch ziemlich, denn das eine ist ein neuer Anstrich, ähnlich wie die Beschichtung einer Fassade und das andere eine komplett neue Konstruktion, in Deutschland mittlerweile zwangsweise verbunden mit einer neuen Wärmedämmung. Stichwort Energieeinsparverordnung, auch kurz ENEV genannt.
In der Realität sieht es aber so aus, Dachbeschichtungen schützen mehr oder weniger sehr zuverlässig vor neuen dicken Moospolstern, vor allem im später unerreichbaren Zwielichtbereich unter der neuen Solaranlage und, wenn sie von einem richtigen Dachdecker- oder Malerbetrieb hergestellt wurden, sehen sie fast so aus, als wäre das Dach neu gedeckt.
Achtung: Verbraucherfalle mangelnde Ausbildung
Man sollte bei seiner Dachbeschichtung schon ganz genau darauf achten, dass man nach Möglichkeit nicht an das so genannte Holz- & Bautenschutzgewerbe gerät, das ist nämlich kein echtes Handwerk, sondern nur ein handwerksähnliches Gewerbe das jeder ausüben darf, der sich dazu berufen fühlt, sondern an einen echten Meisterbetrieb des Dachdecker- oder Malerhandwerks. Es gibt genug davon und immer mehr davon bieten heutzutage auch Dachbeschichtungen an. Ein Holz- & Bautenschutzgewerbe dahingegen kann jeder anmelden, der ein paar Euro hat und eine Unterschrift leisten kann. Einer fachbezogenen Ausbildung oder gar eines Meisterbriefs bedarf es nicht. Vorsicht also und im Zweifelsfall nicht nur viele Referenzen einfordern, sondern diese auch überprüfen.
Preisvorteile einer Dachbeschichtung
Wenn schon ein technischer Vergleich schwer hinkt, sollte man die Preise von Dachbeschichtungen auch nicht unbedingt mit denen von Neueindeckungen vergleichen. Ein Dach in der heutigen Zeit neu zu decken ist nicht billig, mit allem drum und dran, sowie neuer „Zwangsdämmung“, leider ist es Tatsache, und Dachrinne, allen Anschlüssen und so weiter, kostet mittlerweile zwischen 120,– und 160,– Euro je Quadratmeter. Dahingegen muten die vielleicht 20,– bis 25,– Euro für eine Dachbeschichtung fast schon bescheiden an. Für das Geld gibt es aber „nur“ eine Reinigung mit neuem Anstrich und keinen modernen konstruktiven Dachbau mit fast perfekter Wärmedämmung auf dem Stand der Technik. Das eine sieht von außen gut aus, das andere ist auch von innen gut.
Fazit
Dachbeschichtungen können sehr lange halten. Besonders dann, wenn der Handwerker viel Erfahrung hat, auf bewährte Markenfarben setzt und nicht auf Marketingsprüche einiger Farbhersteller wie „Hochglanz“ „Nano“ oder „Thermofarbe“ hereinfällt. Dachpfannen aus Beton und viele Ziegel haben eine „Lebenserwartung“ von zum Teil mehr als 100 Jahren, ein ordentliches Gebälk auch. Voraussetzung um ein Dach zu beschichten ist allerdings, dass es nicht nur keinen Bedarf zur Verbesserung der Wärmedämmung gibt, auch technisch und funktionell sollte das Dach auch in Ordnung sein. Mit anderen Worten, wenn ihr Dach ausreichend gut ist, um eine Solaranlage mit einer Lebensdauer von mehr als 30 Jahren zu tragen, dann tut es auch eine Dachbeschichtung für ein paar Euro auf den Quadratmeter.
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